Olympiagelände

Die XI. Olympischen Sommerspiele von 1936 in Berlin waren den Nazis eine willkommene Gelegenheit, ihr Drittes Reich vor aller Welt als friedlich und tolerant zu präsentieren. Der Großteil der Spiele fand auf dem sog. Reichssportfeld im Westen Charlottenburgs statt, das sich aus der Harbig-Sporthalle, dem 1926 bis 1928 erbauten Sportforum mit dem »Haus des Deutschen Sports« (1932), dem nördlich gelegenen Schwimmstadion, dem Hockeystadion und dem Reiterstadion im Süden zusammensetzte. Die Anlage strahlt in ihrer Gesamtheit noch heute den monumentalen Charakter von Kunst und Architektur des Dritten Reiches aus, sei es durch die von nam¬haften Nazi-Künstlern gestalteten Plastiken oder den riesigen Olym¬pischen Platz vor dem Olympischen Tor. Mittelpunkt des Geländes ist das 1934 bis 1936 nach Plänen von Werner March errichtete Olympiastadion, auf dessen Architektur Hitler und sein Leibarchitekt Albert Speer wesentlichen Einfluss nahmen. Es ersetzte das Deutsche Stadion, das 1913 von Werner Marchs Vater Otto an dieser Stelle angelegt worden war. Das Stadion war auf 100 000 Zuschauer ausgelegt (heute auf 76 000 reduziert); das Stadionoval selbst ist von außen nur 16,5 m hoch, denn das Spielfeld wurde um 12 m abgesenkt. Am Marathontor an der Westseite sind die Namen der Olympiasieger von 1936 angebracht. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten die Bri¬ten das Sportforum als Hauptquartier und das Maifeld für Polo und Cricket. Heute ist das Stadion, frisch renoviert und mit Dach und blauer (!) Tartanbahn versehen, Veranstaltungsort für Leichtathletik und Konzerte sowie Heimspielstätte von Hertha BSC Berlin und all¬jährlich im Mai Austragungsort des DFB-Pokal-Endspiels.
Das Maifeld sah die Pferdedressur- und Polowettkämpfe und diente später als Aufmarschplatz. An seiner Westseite erhebt sich der als »Führerturm« erbaute, 77 m hohe Glockenturm, der im Krieg zer¬stört und 1962 wieder errichtet wurde. Die alte Glocke liegt vor dem Südtor des Stadions. Von der Plattform bietet sich ein prächtiger Blick mit Fernsicht bis nach Potsdam und zu den Müggelbergen (Öffnungszeiten: April-Okt. tgl. 10.00-18.00 Uhr). In der Lange- marckhalle unter den Tribünen wird der Toten – überwiegend Abitu¬rienten und Studenten in Freiwilligenregimentern – in der Schlacht von Langemarck (1914) gedacht, ein von den Nazis als »Beispiel selbstlosen Opfermuts« propagandistisch ausgeschlachtetes Gemetzel. Heute erzählt hier eine Ausstellung die Geschichte des Stadions.
Nördlich vom Maifeld baute Werner March in die Murellenberge die Waldbühne, eine amphitheatralische Freilichtbühne mit 20 000 Plät¬zen. Sie wurde 1936 vollendet und war von den Nazis für »Thing¬spiele« vorgesehen; heute ist sie ein beliebter Veranstaltungsort für Freiluftkonzerte – auch Bob Dylan und die Rolling Stones haben mit ihren Auftritten dafür gesorgt, dass der Ungeist der Erbauer heute verflogen ist.

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