Nikolaiviertel

Wo heute das Nikolaiviertel Alt-Berliner Gefühle aufkommen lässt, allerlei Gastronomie und Läden die Touristenscharen locken, lag tat¬sächlich eine der Keimzellen Berlins. Hier rings um die spätere Niko¬laikirche entstand die östliche Hälfte der Doppelstadt Cölln-Berlin aus einer Furtsiedlung an der Spree. Dieses Areal südwestlich vom Roten Rathaus (►Rathäuser), das Spandauer Straße, Molkenmarkt, Mühlendamm, Spreeufer und Rathausstraße begrenzen, wählte die DDR-Führung, um von 1981 an und rechtzeitig zur 750-Jahr-Feier Berlins 1987 eine »Alt-Berliner Milieu-Insel« zu bauen, die sich aus historischen Bauteilen zusammensetzt, die früher z.T. andernorts ge¬standen haben. Was an Altem nicht zu beschaffen war, wurde in his¬torisierender Plattenbauweise neu gebaut.
Die Nikolaikirche, der älteste Berliner Sakralbau, ist in Ost-West- Richtung diagonal gegen das Raster der Stadtgründung versetzt ge-baut. Die Kirche geht zurück auf eine um 1230 St. Nikolaus, dem Heiligen der Schiffer und Kaufleute, geweihte romanische Feldstein-basilika, von der der Westbau geblieben ist. 1470 war ein 1380 be¬ gonnener Neubau vollendet – eine spätgotische Backsteinhalle mit
drei Schiffen, übergreifendem Satteldach und eng beieinander stehenden Zwillingstürmen den 1817 F.W. Langhans innen erneuerte und der 1876 bis 1878 abermals renoviert wurde, wobei die Türme ihre heutige Gestalt erhielten. Dieser Bau wiederum erlitt im Zweiten Weltkrieg schwere Schäden. Die rechts an die Turmfront sich anleh¬nende Liebfrauenkapelle mit Stufengiebel stammt von 1452.
Den Bombenangriffen fiel auch die Innenausstattung zum Opfer; im Chor sind einige Reste spätmittelalterlicher Wandmalereien freige-legt. Die Ausstattung sind teilweise Rekonstruktionen wie die Kötte- ritzkapelle, ein Meisterwerk der Spätrenaissance, oder das Krauthsehe Grabdenkmal, eines der schönsten Grabmäler des 18. Jh.s in Berlin; sehenswert sind noch das Grabmal für Daniel Männlich von Andreas Schlüter sowie die Renaissance-Epitaphien für Paul Schult¬heiß und Johann Zeideler. Ebenfalls hier begraben sind der Natur¬rechtslehrer Samuel Pufendorf (1632-1694; Grab außen am Chor) und der Pietist Philipp Jakob Spener (1635-1705). Paul Gerhardt (1607-1676), Verfasser zahlreicher lutherischer Kirchenlieder, war von 1657 bis 1666 Pfarrer an der Nikolaikirche. An ihn und einige andere mit der Kirche verbundene Persönlichkeiten erinnert eine Ausstellung des Stadtmuseums Berlin auf der Empore.
Am Nikolaikirchplatz wohnte im Haus Nr. 10 (heute Nr. 7, Rekon¬struktion) von 1752 bis 1755 Gotthold Ephraim Lessing. Hier schrieb er seine »Minna von Barnhelm«.
Deftige Berliner Kost – Eisbein, Sauerkraut, Püree – bietet das Res¬taurant »Zum Nußbaum« in einem Giebelhaus Ecke Nikolaikirch¬platz / Propststraße. Das wusste u. a. schon Heinrich Zille zu schätzen – allerdings lag das Gasthaus zu seinen Zeiten auf der Fischerinsel, wo es seit ca. 1570 nachgewiesen war.
Leben und Werk von Heinrich Zille illustriert das Heinrich-Zille-Mu- seum in der Propststr. 11 (Öffnungszeiten: tgl. 11.00-18.00, April bis Okt. bis 19.00 Uhr). Am Ende der Propststraße steht der bronze¬ne »Drachentöter« (»St. Georg mit dem Drachen kämpfend«; 1856) von August Kiß, der seit 1865 im Ersten Hof des Berliner Stadt¬schlosses aufgestellt war und nach dem Zweiten Weltkrieg in den Volkspark Friedrichshain kam. Wem nach Selbstgebrautem ist, der wird hier in der Georgs-Brauerei fündig.
Von den Gebäuden an der Poststraße sind am historischen Ort er¬baut worden Nr. 4, das Geburtshaus von Friedrich Nicolai (1733-1811), Nr. 5, die einstige kurfürstliche Münze, und Nr. 12, das sog. Hessesche Haus .
Schräg gegenüber vom Kirchenportal steht die Gerichtslaube des mittelalterlichen Rathauses (heute Restaurant). Sie lag einst 200 m weiter nordöstlich, wurde 1870 abgerissen und hernach im Schloss¬park von Babelsberg rekonstruiert, wo sie heute noch steht. Die Ge¬richtslaube im Nikolaiviertel ist also eine Kopie der Kopie.
Das 1989 wieder hergestellte Knoblauchhaus Ecke Nikolaikirchplatz und Poststraße steht wiederum an seinem ursprünglichen Standort. Der Nadlermeister Johann Christian Knoblauch ließ es sich von 1754 bis 1760 bauen. Im Haus der wohlhabenden Familie, zu deren Nach¬fahren auch Eduard Knoblauch, der Architekt der Neuen Synagoge an der Oranienburger Straße gehörte, empfing man einst Besucher wie Lessing, Mendelssohn, Wilhelm von Humboldt, Scharnhorst und den Freiherrn vom Stein. Eine Ausstellung konzentriert sich auf die Geschichte der Familie im 19. Jh. in original ausgestatteten Räumen der Zeit. Die »Historischen Weinstuben« im Haus sind Nachfolger der 1850 im Haus Molkenmarkt 4 gegründeten Weinhandlung Schütze (Öffnungszeiten: Di.-So. 10.00-18.00 Uhr).
Ecke Poststraße und Mühlendammbrücke wurde das bereits 1935 abgetragene Ephraim-Palais 16 in von seinem ursprünglichen Stand- ort wieder aufgebaut. Das ehemalige »Tonnenbindersche Haus« war 1763/ 1764 für Veitei Heine Ephraim, den Münzpächter Friedrichs des Großen, zu einem vierstöckigen Bürgerpalais in feinem Rokoko¬stil mit abgerundeter Eckfassade und prächtigen Baikonen erweitert worden und wurde die »schönste Ecke Berlins« genannt. Innen nicht minder schön – besonders das Treppenhaus und die Kopie der Schlüterdecke aus dem Wartenbergpalais -, gehört es zum Stadtmuseum Berlin (Öffnungszeiten: Di.-So. 10.00-18.00 Uhr).
Auf dem vor dem Ephraimpalais entlang führenden Mühlendamm kommt man – vorbei am wieder aufgebauten, 1665 gegründeten Gasthaus »Zur Rippe« – zu einem rekonstruierten Bürgerhaus (Nr.5). In ihm weiß das Hanfmuseum allerlei Wissenswertes über diese nützliche und oft verkannte Pflanze zu erzählen (Öffnungszeiten: Di.-Fr. 10.00-20.00, Sa. und So. 12.00-20.00 Uhr).

Am Molkenmarkt
Vom Molkenmarkt, einst Alter Markt, nahm Berlin seinen Ursprung.
Sein Name kam von den »Mollen« (ndt. Mühlen) am Mühlendamm. Hier entstanden die ersten Ansiedlungen und das erste Rathaus, von hier verband der älteste Flussübergang, der Mühlendamm, Berlin und Cölln über die Spree hinweg. Daran erinnert allerdings gar nichts mehr – der Kern Berlins verschwindet heute unter der riesigen Kreuzung von Mühlendamm und Spandauer Straße. Über dem Ver¬kehrsgedröhn ragt der 80 m hohe Turm des Alten Stadthauses auf, 1902 bis 1911 nach Plänen von Ludwig Hoffmann für städtische Dienststellen gebaut, dann Sitz des Ministerrats der DDR und nun Sitz des Innensenators. Am Molken¬markt standen einst auch das Haus Alter Krögel und die Stadtvogtei, die 1935 der Reichsmünze weichen musste, welche wiederum zum Sitz des Ministeriums für Kultur der DDR wurde. An der Frontseite ist die Kopie eines Frieses von Gott¬fried von Schadow angebracht, den dieser – nach Skizzen Friedrich Gillys – für das erste Münzgebäude am Werderschen Markt model¬lierte. Das Original ist heute in Charlottenburg am Gebäude Span¬dauer Damm 42-44 zu sehen. In die Münze miteinbezogen wurde das ehemalige, 1704 von de Bodt entworfene Palais Schwerin.
Zwischen Altem und Neuem Stadthaus hindurch führt die Parochial- straße zur Parochialkirche. Dieser 1695 nach Johann Arnold Nerings Entwurf von Hofbaumeister Grünberg begonnene und von Philipp Gerlach 1714 vollendete erste barocke Sakralbau Berlins wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt, doch blieb der Turm erhalten. Friedrich Wilhelm I. hatte darin ein holländisches Glockenspiel mit 37 Glocken einbauen lassen; 1715 ertönte es zum ersten, 1944 zum letzten Mal. Auf dem Kirchhof ist Kaspar Wegely (t 1764), der Gründer der Königlichen Porzellan-Manufaktur, begraben.
Hinter der Kirche ist an der Waisenstraße ein Rest der mittelalterli- chen Berliner Stadtmauer aus dem 13./14. Jh. erhalten. Haus Wai-senstr. Nr. 16 ist das angeblich älteste Wirtshaus Berlins, »Zur letz¬ten Instanz«. Seinen Namen verdankt es der Nähe zum Landgericht Berlin. Damals wie heute wird deftige Berliner Küche serviert.
Die Klosterkirche (13. Jh.) in der Klosterstraße gehörte zu dem 1254 gegründeten Franziskanerkloster, das auf dem Gelände der benach¬barten Grünanlage stand und 1574 zum Gymnasium im Grauen Schadow, Friedrich Schleiermacher, Karl Friedrich Schinkel und Otto von Bismarck; Friedrich Ludwig Jahn war hier sowohl Schüler als auch Lehrer. In der Ruine, heute Mahnmal gegen den Krieg, sind Skulpturen Berliner Künstler ausgestellt.

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